Grundlagen der Osteopathie
Leben ist Bewegung
Geschichte der Osteopathie
Was macht einen guten Osteopathen aus?
Osteopathie in Deutschland
Grundlagen der Osteopathie
Die Osteopathie ist eine manuelle Therapieform, die den Organismus in seiner ganzheitlichen Struktur begreift und behandelt.
In der Osteopathie wird der Mensch als ganzheitliches Wesen begriffen, dem alle Möglichkeiten der Selbstheilung und Gesunderhaltung innewohnen. Es besteht ein ständiger Austausch zwischen den einzelnen Körpersystemen. Dadurch erreicht der Organismus ein fließendes Gleichgewicht das eine optimale Voraussetzung für Gesundheit darstellt. Die Osteopathie bezieht sich wissenschaftlich auf alle Erkenntnisse der Chemie, Physik und Biologie. So besteht die Forderung an die Osteopathie, ihre Tätigkeit und Erfolge wissenschaftlich zu erforschen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Osteopathie zu integrieren.
Die Kunst besteht darin, philosophische und wissenschaftliche Grundlagen in der osteopathischen Behandlung anzuwenden. Eine osteopathische Behandlung basiert auf dem Wissen um die vielfältig vernetzten Prozesse im Organismus, die zu Gesundheit oder eben auch zu Krankheit führen.
Leben ist Bewegung
Bewegung ist das bedeutendste Kennzeichen und Voraussetzung für das Leben. Von Geburt an ist der Mensch Belastungen ausgesetzt, die sein Gleichgewicht beeinträchtigen können: Stress, Infektionen, falsche Ernährung, emotionale Belastungen und Traumata, Unfälle u.v.m. Sind diese Einflüsse zu stark, um vom Organismus verarbeitet und aufgelöst zu werden, muss er sich mit diesen arrangieren, wofür er seine Körperhaltung, die Funktion bestimmter Organe, des Hormon- oder Nervensystems verändert. Dabei verändert sich die Bewegung und Beweglichkeit der Gewebe, so dass Flüssigkeiten wie etwa Blut oder Lymphe nicht mehr ungehindert fließen können. Die Folge ist eine Einschränkung der Nährstoff- und Sauerstoffversorgung im Körper sowie ein verringerter Abtransport von Abbauprodukten im Gewebe und eine gestörte Nervenversorgung. Das Gewebe verliert seine Vitalität.
Der berühmte deutsche Mediziner Rudolf Virchow schreibt schon 1869, dass die Krankheit in dem Augenblick beginnt, wo die regulatorische Einrichtung des Körpers nicht ausreicht, die Störungen zu beseitigen. Werden die Kompensationsmöglichkeit des Organismus dauerhaft überfordert und sein Haltungsmuster und sein gesamtes System zu stark belastet, entstehen Krankheiten. Das Ziel einer osteopathischen Behandlung ist es, dem Körper dabei zu helfen, die Kommunikation der Körperflüssigkeiten und der Nervenimpulse sowie die harmonische Bewegung und Beweglichkeit der Gewebe wiederherzustellen. Zu diesem Zweck werden z. B. Gewebe Techniken angewandt, um den Druck auf Nerven, Arterien, Venen und Lymphgefäße zu vermindern und dadurch die Voraussetzung für eine gesunde Physiologie zu schaffen. Letztlich heilt der Körper sich also selbst, und der Osteopath unterstützt ihn dabei.
Geschichte der Osteopathie
Die Osteopathie wurde vor rund 120 Jahren von dem amerikanischen Mediziner Dr. Andrew Taylor Still (1828-1917) begründet, zu einer Zeit in der viele medizinische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse erst entstanden. Dieser außergewöhnliche Mann begann mit seiner Suche nach einer neuen Art der Therapie, weil er von der Medizin seiner Zeit tief enttäuscht war. Seine erste Frau und sechs seiner Kinder starben an Infektionen, die sie aus Stills Sicht bei richtiger Behandlung hätten überleben können.
Durch jahrelanges Lernen und Forschen hatte Still erkannt, dass der Mensch in Gesundheit und Krankheit als Einheit reagiert. Er wusste Bescheid über die Wechselwirkungen der Organsysteme und kannte die Naturgesetze. Auf dieser Grundlage entwickelte er ein ganzheitliches Behandlungskonzept. Die Behandlung erfolgte von Anfang an ausschließlich mit den Händen. Still stellte fest, dass jede Behinderung nervaler und vaskulärer Strukturen und jede Bewegungseinschränkung und erhöhte Spannung von Geweben, die Grundlage bildet für eine Krankheitsentstehung. Durch Auflösung dieser Störungen war er in der Lage, Funktionsstörungen auch in weiter entfernten Körperbereichen zu bessern oder ganz aufzulösen.
1892 gründete Still die "American School of Osteopathy" in Kirksville. Seit dieser Zeit entwickelt sich die Osteopathie ständig weiter. So weitete William Garner Sutherland die Prinzipien der Osteopathie auf den Schädel aus und gab der osteopathischen Lehre eine Vielzahl weiterer Impulse. Der französische Osteopath Jean Pierre Barral begründete als einer der ersten in neuerer Zeit die wissenschaftliche Grundlage für die Behandlung der inneren Organe.
Die amerikanischen Osteopathen erreichten in langen Auseinandersetzungen die gesetzliche Anerkennung ihres Berufs und die Gleichstellung mit den Medizinern. Bereits 1917 brachte John Martin Littlejohn die Osteopathie nach Europa. 1951 entstand in Paris die Ecole Francaise dOsteopathie. Diese wanderte 1965 aufgrund staatlicher Repressalien nach England aus, wo sie vier Jahre später den Namen European School of Osteopathy (ESO) erhielt. In England ist die Osteopathie seit einigen Jahren als Hochschulstudium anerkannt.
Die Osteopathie ist somit keine neue zweifelhafte Heilslehre, sondern ein ganzheitliches Therapie-Verfahren auf einem soliden Fundament.
Was macht einen guten Osteopathen aus?
Grundlagen eines guten Osteopathen sind fundierte Kenntnisse der gesamten Anatomie und Physiologie des Menschen und ihrer Wechselwirkungen sowie ihrer nervalen, vaskulären und energetischen Zusammenhänge. Gleichzeitig muss der Osteopath über weitreichende differentialdiagnostische Kenntnisse verfügen, damit er in kooperativer Weise auch weitere medizinische Befunde verstehen und bewerten kann, bzw. andere Therapien und Untersuchungen empfehlen kann.
Die Hände eines Osteopathen müssen nicht nur in der Lage sein, die einzelnen Gewebe des Körpers zu unterscheiden, sondern auch ihre Beweglichkeit, Eigenbewegungen, Spannungen und Energien zu erspüren. Die osteopathische Diagnose erlaubt es zudem, Zusammenhänge im Körper und ihre Bedeutung für die Gesamthomöostase (Eigenregulation) des Organismus zu erkennen. Auf diese Weise ist es möglich, hinter offensichtliche Beschwerden zu blicken und tieferliegende Ursachen aufzuspüren.
Geistige Einstellungen im Bewusstsein und Emotionen äußern sich im Körper durch bestimmte Gewebespannungen, ebenso wie der Zustand der Körperstrukturen bestimmte Gemütszustände bedingt. Eine offene, zuhörende Palpation, im Sinne einer bewussten Berührung, kann den Patienten wieder in Kontakt mit in den Geweben gespeicherten Erlebnissen und Traumata bringen, die er allein mit dieser Hinwendung auflösen und loslassen kann. Der Körper kommt wieder in Fluss.
Durch gezielte Impulse kann der Osteopath den Körper dazu veranlassen, sich selbst zu korrigieren sowie ein neues inneres Gleichgewicht zu erlangen. Dadurch wird der Körper in die Lage versetzt, sich selbst zu heilen.
Osteopathie in Deutschland
Erst seit ca. zwanzig Jahren entwickelt sich in Deutschland die Osteopathie. Um die Qualität der osteopathischen Ausbildung und Behandlung zu sichern, hat die BAO (Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie) einheitliche Ausbildungs- und Prüfungskriterien entwickelt.
Die Ausbildung zum Osteopathen können Ärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten in einem fünfjährigen berufsbegleitenden Studium absolvieren. Zum Abschluss findet eine Prüfung vor einem externen Gremium statt. Damit wird eine Qualitätssicherheit erreicht.
Des Weiteren bemüht sich der VOD (Verband der Osteopathen Deutschlands) als wichtigster Osteopathieverband, dass die Berufsbezeichnung Osteopath bundesweit einheitlich geregelt wird. Im Moment hat das Bundesland Hessen als erstes eine eigene Weiterbildungs- und Prüfungsordnung erlassen, wonach der Osteopath eine staatlich Anerkennung erhalten kann. Diese Regelung wird als erster Schritt für die weitere Anerkennung der Osteopathie betrachtet.
